Transgender Steiermark

über Transgender

leicht überarbeitet 2010

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Transgender-Personen

sind Menschen mit dem Bedürfnis, zeitweilig oder für immer in jenem Geschlecht aufzutreten, das ihnen körperlich nicht angeboren ist. Es gibt sowohl Transgender-Personen von Frau zu Mann als auch von Mann zu Frau.

- Leerzeile - Nicht zu den Transgenders zählt man Menschen, die nicht aus seelischen Notwendigkeit, sondern aus künstlerischen oder Erwerbsgründen (Travestie) ihre Geschlechts­erscheinung wechseln. Nicht als Transgender-Personen angesehen werden in der Regel auch Menschen, deren Körper Merkmale beider Geschlechter zeigt (Intersexuelle). Es gibt jedoch keine scharfen Grenzen: Eine Transgender-Person kann auch als Bühnen­künstler/in auf die Darstellung des "anderen" Geschlechts spezialisiert sein. Intersexuelle Menschen können Transgender-Biografien haben, wenn sie sich in dem Geschlecht, das ihnen in ihrer Kindheit von Ärzten und Eltern zugesprochen wurde, nicht zuhause fühlen oder wenn ihre Zwei­geschlecht­lichkeit erst spät erkannt wird.

- Leerzeile - Gäng ist die Unterscheidung der Transgender-Personen in eine Gruppe, die sich ihrem körperlich angeborenen Geschlecht zugehörig fühlen, dennoch aber das Bedürfnis haben, sich vorüber­gehend in der Rolle des anderen Geschlechts zu erleben (Transvestiten, Crossdresser). Erst durch die Freiheit, ohne Angst in die andere Geschlechter­rolle zu wechseln und wieder in das angeborene Geschlecht heimzukehren, finden Transvestiten zum Einklang mit sich selbst und zu innerer Stabilität.

- Leerzeile - Die zweite Gruppe besteht aus Menschen, die das ihnen körperlich angeborene Geschlecht ablehnen, dieses als einen Fremd­körper empfinden, der ihrem Selbstbild krass widerspricht (Transsexuelle). Eine Lösung für diesen Konflikt muss immer ein Kompromiss bleiben. Der radikalste, aber nicht der einzige Weg besteht darin, den eigenen Körper hormonell und chirurgisch - so gut es geht - dem anderen Geschlecht anzugleichen.

- Leerzeile - Nicht jede Transgender-Person findet ihr Selbst­empfinden in dieser Unterscheidung (hier Transvestiten / Crossdresser, dort Transsexuelle) richtig dargestellt. Viele sehen sich zwischen beziehungs­weise jenseits dieser Kategorien und bestehen darauf, nur die allgemeine Bezeichnung "Transgender" für ihre persönliche Art des Lebens im "anderen" Geschlecht zu verwenden. Jeder Mensch ist ein Individuum, die Welt der Transgender-Lebenswege vielgestaltig. - Punkt -

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Selbsterkenntnis und Verleugnung

Einige Transgender-Personen wissen von frühester Kindheit an, dass ihre Geschlechts­identität nicht die ihres Körpers ist, und vertreten dieses Selbstbild von klein auf mit Entschiedenheit. Andere ahnten schon früh (d.h. sie waren sich irgendwie sicher), sie würden später im "anderen" Geschlecht leben, noch ohne konkrete Vorstellung wie man dorthin gelangt. Manche Transgenders erinnern sich als Erwachsene zumindest an frühe Momente der Klarheit, in denen sie sich deutlich als Angehörige des "anderen" Geschlechts wahrgenommen hatten. Häufiger aber tritt das Bedürfnis im anderen Geschlecht zu leben erst in den Jahren zwischen Kindheit und Jugend auf. Einige Transgender-Personen finden erst als Erwachsene zu sich selbst, einige wenige spät im Leben.

- Leerzeile - Verlust des Wissens um die eigene Identität: Viele verstummen als Kinder, begraben das (klare oder diffuse) Wissen anders zu sein in ihrem Inneren, wenn sie erkennen, dass ihr Selbst­bild von ihren Angehörigen, von Gleich­altrigen und Pädagogen abgelehnt wird (Und diese Ablehnung fällt oft heftig aus!). Sie versuchen, den von ihrem Umfeld in sie gesetzten Erwartungen zu entsprechen und verlieren dabei das Wissen (zumindest das klare Wissen) um die eigene Identität. Andere schieben das Wissen um die eigene Identität erst an der Schwelle zum Erwachsen­werden beiseite. Viele wissen dann selbst noch kaum Konkretes über Transgender-Lebensweisen und ihr Bedürfnis, diesen Weg zu gehen, fühlt sich daher lange irgendwie unwirklich an. Andere trauen es sich einfach nicht zu, das herbeigesehnte Geschlecht jemals ausreichend gut zu repräsentieren. Auch kann die Sehnsucht, ein normales Leben führen zu können, zunächst einfach schwerer wiegen, als der Wunsch, dem eigenen Selbstbild gemäss zu leben.

- Leerzeile - Verleugnung und Selbst­heilungs­versuche: Manche werden sehr introvertiert, begraben sich in Arbeit und Beschäftigt­sein um keine Zeit zum Nachdenken zu haben. Andere Betroffene kämpfen gegen ihren Wunsch nach einem Leben im Identitäts­geschlecht (das heisst gegen sich selbst) an. Sie hassen sich selbst dafür "anders" zu sein und versuchen zu lernen, sich "richtig" zu fühlen (d.h. eine Geschlechts­identität zu entwickeln, die zu ihrem Körper passt und zu dem ihnen von ihrer Umgebung zugewiesenen Platz im sozialen Gefüge). Zum Beispiel indem sie sich in Beruf und Freizeit für Aktivitäten entscheiden, in denen ein markant geschlechts­rollen-konformes Verhalten verlangt wird oder üblich ist: eine Karriere in Technik oder Militär sowie raue Sportarten für die "Männer" (die versuchen ihr weibliches Selbstbild zu überwinden), Schönheits- und Sozial­berufe für die "Frauen". Viele hoffen, dass die Liebe sie heilen kann, dass sie ins "richtige" Rollen­bild hinein­wachsen werden, wenn sie heiraten, Väter oder Mütter werden.

- Leerzeile - Diese Auswege helfen oft auch für einige Zeit, machen mittelfristig die Situation der Transgender-Person noch schlimmer: Hat sie ihren inneren Konflikt (in der Hoffnung, darüber hinweg zu kommen) auch engen Angehörigen nicht eingestanden, muss sie sich irgendwann der Einsicht stellen, nicht nur sich selbst über Jahre belogen zu haben, sondern auch den Partner, ihre Kinder, Freunde, Arbeits­kollegen. Und dass sie über Jahre all ihre Energie in den Versuch investiert hat, sich in einem Leben zu etablieren, in dem sie sich völlig fremd fühlt und das sie auf Dauer nicht ertragen kann.

- Leerzeile - Nach dem inneren Coming Out (d.h. wenn die Person sich selbst -wieder- eingesteht, Transgender zu sein) kann es nochmals Jahre dauern, bis sie Klarheit gewinnt, was konkret sie braucht, um mit sich selbst im Reinen zu leben, welcher von den vielen möglichen Transgender-Lebensweisen dem eigenen Wesen und den eigenen Möglichkeiten entspricht. Einige gehen den Weg ins "andere" Geschlecht in vielen kleinen Schritten, halten sich selbst zunächst "nur" für Cross­dresser und entwickeln sich mit den Jahren zu Transsexuellen. Andere sind sich zunächst "völlig sicher", dass nur der trans­sexuelle Weg für sie in Frage kommt, und erkennen langsam, dass eine weniger radikale Änderung für sie richtiger (zumindest realistischer) ist.

- Leerzeile - Es war sehr schwierig, zu einem praktikablen Selbstbild als Transgender-Person zu finden, solange es keine konkreten Informationen über Transgender-Lebenswege gab. Diese katastrophale Informations­lage hat sich erst in den letzten Jahren durch die Informations­arbeit von Betroffenen, durch Vielkanal­fernsehen und Internet verbessert. So gibt es inzwischen auch Transgender-Menschen, deren Weg zur Selbst­erkenntnis kurz und unkompliziert war, eher ein Aha-Erlebnis als ein innerer Kampf. - Punkt -

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Sex und Gender

Dem deutschen Wort "Geschlecht" entsprechen im Englischen zwei Vokabel: "Sex" und "Gender". Ersteres bezeichnet die körperlichen Aspekte der Geschlecht­lichkeit (Körperbau und Sexualleben), zweiteres die emotionalen und sozialen. Bei genauerer Unterscheidung zeigen sich vier Haupt­aspekte der geschlecht­lichen Identität und des geschlecht­lichen Verhaltens: das körperliche Geschlecht einer Person (verbundenen mit der Fähigkeit zur Fort­pflanzung), die Geschlechts­identität (das heisst das Selbstbild der Person als männlich oder weiblich), das soziales Geschlecht (ob die Person in Lebensstil und Verhalten eher Muster zeigt, welche als typisch männlich oder solche, die als typisch weiblich gelten) und die sexuelle Orientierung (welche Menschen die Person sexuell begehrt und als Partner wünscht). Diese vier Aspekte können im einelnen Menschen in jeder beliebigen Kombination zueinander stehen.

- Leerzeile - Dennoch gehen viele Menschen wie selbst­verständlich davon aus, der Transgender-Lebensweise müssten sexuelle Motive zugrunde liegen. Am häufigsten (und oft mit grosser Hartnäckigkeit) wird das Vorurteil vertreten, Transgender sei ein Ausdruck von Homo­sexualität. Sind Transgender-Personen homosexuell? Einige Transgender-Person sind homosexuell, in der Mehrzahl sind sie es nicht. (Transsexuelle Menschen empfinden sich klar als Angehörige ihres Ziel­geschlechtes und bezeichnen sich dann als homosexuell, wenn sie in diesem gleich­geschlechtlich begehren und lieben. Der Begriff "Crossdresser/ Transvestit" bezeichnet Menschen, die sich durchaus mit dem ihnen körperlich angeborenem Geschlecht identifizieren und es ist üblich, sie gemessen am Herkunfts­geschlecht als homo- oder heterosexuell zu sehen.)

- Leerzeile - Ist die Transgender-Lebensweise Ausruck anderer sexueller Motive? Es gibt Menschen, für die stellt das Tragen der Kleidung des anderen Geschlechtes einen sexuellen Fetisch dar. In manchen sado­masochistischen Beziehungen symbolisiert der Geschlechts­wechsel sexuelle Macht oder Demütigiung. Einige Transgender-Personen leben im "anderen" Geschlecht sexuelle Wünsche oder Phantasien aus, die zu verwirklichen sie sich im Herkunfts­geschlecht versagen. Es gibt also durchaus Formen des Geschlechts­wechsels, die Teil einer sexuellen Praxis sind.

- Leerzeile - Andrerseits spielt in der Lebens­praxis vieler Transgender-Personen das Sexualleben eine untergeordnete Rolle. Jahre ohne gelebte Sexualität sind keine Seltenheit. Diejenigen, die sich im eigenen (falschen!) Körper extrem unwohl fühlen, wollen oder können oft keinen anderen Menschen nahe an sich heranlassen, so gross ihre Sehnsucht nach Liebe und Nähe auch sein mag. Kann diese Hürde überwunden werden, ist es nicht ganz leicht, einen Partner zu finden, der nicht nur selbst ohne Berührungs­ängste ist, sondern auch selbstsicher genug, unter dem Vorurteil vieler Menschen zu leben, er oder sie habe eben eben keinen "richtigen" Mann oder keine "richtige" Frau abbekommen. Helen Boyd berichtet: "Frauen, die im Laufe ihrer Ehe feststellen, dass ihr Ehemann Crossdresser ist, vermeiden es in der Regel, sich öffentlich dazu zu bekennen. Und so sind mein Mann und ich oft das erste hetero­sexuelle Paar bestehend aus einer geborenen Frau und ihrem weiblich gekleideten Partner, denen andere Menschen jemals begegnet sind. Die Meisten haben noch nie gehört, dass derartiges existiert. Auch wenn sie die Vorstellung akzeptieren können, dass der Kerl im Kleid nicht schwul ist, so fällt es ihnen doch enorm schwer zu versuchen zu begreifen, warum um alles in der Welt ich mit einem Kerl zusammen sein wollen kann, der 'kein richtiger Mann' ist. Abends auszugehen wird für uns oft zu einer grenzwertigen Erfahrung. Im Verlauf des Abends informieren wir andere Menschen darüber, dass es hetero­sexuelle Cross­dresser gibt, wir beantworten mehr und mehr persöhnliche Fragen und die Vorstellungen, die fremde Menschen dabei über uns äussern, bewirken, dass ich mich manchmal seltsam unwirklich fühle: wie ein Mittelding zwischen Mythos und unanständigem Witz." (My Husband Betty, Thunder’s Mouth Press, 2003).

- Leerzeile - Was denn wollen Transgender-Personen, wenn nicht Sex? Was sich die meisten Menschen wünschen! Einen interessanten Job, in dem sie auch fair bezahlt werden. Liebe, Partnerschaft, ein funktionierendes Familienleben, Freunde, ein gutes Verhältnis zu Nachbarn und Arbeitskollegen. Kurz: soziale Einbindung. - Punkt -

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Gruppen und Internet

Kontakt zu anderen Transgender-Personen: Am Anfang vieler Transgender-Existenzen steht eine Phase der Selbstzweifel, der Angst - vor Entdeckung, Kritik und Spott -, des sich Versteckens. Man hält sich für die einzige Person weit und breit mit dem Bedürfnis nach einem Leben im anderen Geschlecht. Es gibt aber überraschend viele Transgender-Personen, und die Einsamkeit der Versteck-Phase ist leicht zu überwinden:

- Leerzeile - In mehreren österreichischen Bundesländern haben sich Transgender-Gruppen formiert, diese betreiben Treffen und Stammtische, an denen Du andere Transgenders kennenlernen kannst, und Dich über alle Hochs und Tiefs des Transgender-Lebens aussprechen kannst. Gruppen, Adressen und Termine findest Du über die Startseite von Transgender.at. Manche Gruppen organisieren Veranstaltungen, z.B. Vorträge, gemeinsame Ausflüge oder Einkaufsbummel. Während das Programm der wiener Gruppe TransX schon professionell anmutet und bis zu Sprechkursen und umfangreichen Vortragsreihen reicht, haben kleinere Gruppen eher einen spontanen Zugang zu gemeinsamen Unternehmungen.

- Leerzeile - Vielleicht erlebst Du gerade in der Phase des Coming Out, dass die eigene Geschlechts­identität nicht nur bewusst wird, sondern auch ihren Platz im Leben fordert. Wichtiger als das Programm einer Gruppe ist dann wohl die Möglichkeit, endlich mit Deinem eigenen Geschlecht, wie Du es selbst siehst, unter anderen Menschen akzeptiert zu werden. Du kannst davon ausgehen, dass man Deine anfängliche Scheu gut versteht, wir haben sie alle selbst durchgemacht oder spüren sie noch immer. Der Alltag der Gruppe ist locker und man kann viel Spass miteinander haben. Vielleicht würdest Du gerne in Deinem Wunschgeschlecht in die Öffentlichkeit treten, und traust Dich die ersten Schritte in Begleitung anderer Menschen, für die das schon Alltag ist. Man wird Dir aber auch gerne beispringen, wenn Du Probleme hast oder einfach Menschen brauchst, die an Deiner Entwicklung als Transgender Anteil nehmen.

- Leerzeile - Beachte bitte: Auch die eingesessenen Mitglieder der Gruppen sind keine professionellen Berater, wir alle sind persönlich betroffene Personen, wie Du. Jeder kann einen Beitrag aus seiner Erfahrung liefern, aber niemand kann und will Dir die Verantwortung für Dein Leben abnehmen. Wir akzeptieren Dich voll, ob und wie Du den Weg eines Transgender-Lebens weitergehen willst, oder ob Du darauf aus bist, Dich wieder davon zu distanzieren. Und wir brauchen Dich ebenso wie Du uns: Alle Mitglieder und alle Gäste der Gruppe sind gleich verantwortlich für ein harmonisches Miteinander und für Gespräche und gemeinsame Erlebnisse, an die wir uns gerne erinnern.

- Leerzeile - Wenn Du Kontakt suchst, aber nicht persönlich zu einem Gruppentreffen kommen kannst oder magst, stehen Dir die e-Mail-Anschriften der Gruppen zur Verfügung.

- Leerzeile - Suche in den Links auf Transgender.at, was das Internet für Dich zu bieten hat. Abgesehen von vielen hervorragenden Homepages von Transgender-Organisationen und Einzelpersonen gibt es Mailinglisten für Transgender und Chats, in denen Du, wie in den Gruppen, Dich aussprechen, über Transgender-Themen Rat einholen, oder einfach nette Unterhaltung haben kannst. Der Chat ist eine grosse Hilfe für Menschen, die sich vor einer Begegnung von Gesicht zu Gesicht noch scheuen würden, über ihre Anliegen als Transgender zu reden. Bitte missbrauche nicht die Anonymität und Sicherheit: Vermeide Obszönitäten und Pornografie in Mailinglisten und Chats, die nicht dafür vorgesehen sind. Danke!

- Leerzeile - Immer wieder werden Transgender-Treffen ausgeschrieben, bei denen sich Transgenders aus ganz Österreich treffen. Eine gute Gelegenheit, Freundinnen und Freunde aus Chats und e-Mail-Kontakten persönlich kennen zu lernen, und ein paar Tage im Wunschgeschlecht zu verbringen.

- Leerzeile - Wenn eine Transgender-Person sich zum ersten Mal in ihrem Wunschgeschlecht akzeptiert fühlt, wenn auch "nur" unter anderen Transgenders, schlägt manchmal die Unsicherheit in einen fast schwerelosen, unwirklichen Glückszustand um ("gender euphoria"). In dieser Phase erscheinen Chat oder Gruppe fast wie eine seelische Heimat. Aber bald melden sich gesunde Zweifel, und man beginnt sich abzugrenzen, und die einzelnen Mitglieder differenziert zu sehen. Man findet seine Freunde und FreundInnen, mit denen der Kontakt enger wird, und akzeptiert die Menschen, die einem ferner stehen. Vielleicht die wichtigste Erfahrung der Begegnung mit anderen Transgenders ist, dass das Geschlecht nur ein kleiner Mosaikstein im Bild des ganzen Menschen ist. Während die eigene Geschlechtsidentität (wie sie auch aussehen mag) bewusst wird, erscheint sie der betroffenen Person als die allerwichtigste Eigenschaft in der eigenen Seele. An anderen Menschen sieht man, dass auch die Persönlichkeit von Transgender-Personen noch durch viel mehr und viel wichtigere Aspekte zum Ausdruck kommt. So gesehen ist die Kontaktaufnahme mit anderen Transgenders auch der erste Schritt aus der Einengung durch den übermächtigen Druck des Geschlechts­konfliktes, der in der Phase des Versteckens die Seele ganz für sich zu vereinnahmen droht. - Punkt -

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Psychotherapie

Bevor die Probleme über den Kopf wachsen, sollte man ruhig die Hilfe einer Therapeutin oder eines Therapeuten in Anspruch nehmen. (Vor und im Verlauf einer Geschlechts­angleichung sind Psychotherapie sowie Gutachten durch Psycho­therapeuten und Psychiater ohnehin verpflichtend.) Transgender-Personen haben manchmal eine besondere Scheu vor psychologischer Hilfe, weil sie fürchten, dass die Therapie darauf ausgerichtet ist, ihnen ihre Identität als Transgenders wegzunehmen. Die moderne Psychotherapie hat längst die Flegeljahre überwunden, in denen Psychologen und Psychiater geglaubt haben, den Patienten gegen ihren Willen ein Gesundheits­ideal aufzwingen zu müssen. Heute wird das Therapieziel gemeinsam mit dem Klienten abgesteckt, und es besteht darin, ihm ein Leben zu ermöglichen, in dem er sich wohl fühlt und das er selbst für wünschenswert und sinnvoll ansieht.

- Leerzeile - Mit psycho­therapeutischen Verfahren erzielt man ein besseres Verständnis der eigenen Seele, einen leichteren und angstfreien Zugang zu den eigenen Gefühlen, und ein breiteres Spektrum an Verhaltens­möglichkeiten bei Schwierigkeiten. Wichtiger als die Wahl der Methode (es gibt sehr viele unterschiedliche Ansätze) ist das harmonische Zusammenspiel zwischen Klient und Therapeuten. Denn Psychotherapie ist keine Behandlung, die man über sich ergehen lässt, sondern aktive Arbeit.

- Leerzeile - Benötigt eine Person (in einer akuten Krise oder auch auf Dauer) neben der Psychotherapie auch Medikamente, um ihr seelisches Gleichgewicht zu finden oder zu erhalten, muss sie einen Psychiater (d.h. einen Facharzt) konsultieren: manche Menschen können etwa sich selbst bei besten äusseren Umständen nicht freuen oder leiden unter schweren Angstzuständen, einfach, weil die chemischen Prozesse im Nervensystem gestört sind, die zu einer positiven Reaktion auf positive Situationen gehören. Für diese Menschen kann der Einsatz von Medikamenten ein neues Leben bedeuten.

- Leerzeile - Psychotherapie oder Psychiatrie, professionelle Hilfe oder Selbsthilfe, vielleicht auch alle drei, darf keine Frage des Ideologien­streits sein. Gut ist, was genau Dir hilft, Dich im eigenen Leben frei, ausgeglichen und zu Hause zu fühlen. - Punkt -

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Eine Geschlechts­angleichung

("Geschlechts­umwandlung") kann nicht einen Mann vollständig in eine Frau verwandeln oder umgekehrt. Die Chromosomen bleiben dieselben, und die Fähigkeit zur Fortpflanzung ist nach der Angleichung unwiederbringlich dahin. Immerhin gelingt es, den Körper soweit dem anderen Geschlecht anzupassen, dass Transsexuelle ein Leben in dem Geschlecht führen können, dem sie sich innerlich zugehörig fühlen. Eine Angleichung ist kein punktueller Eingriff, sondern ein Wachstums­prozess, der sich über Jahre hinzieht, mit chirurgischen, hormonellen, psychologischen, sozialen und rechtlichen Aspekten. Sie bedeutet einen massiven und riskanten Eingriff in den Körper und die Gesundheit, aber auch in das soziale Umfeld einer Person. Ob das innere Geschlechts­empfinden mit dem Alltagsleben durch eine Geschlechts­angleichung oder vielleicht auf andere Weise in Einklang gebracht wird, wird nicht durch Argumente entschieden, sondern muss in einem Jahre dauernden Prozess emotional ausreifen.

- Leerzeile - Die Diagnose Trans­sexualität ist Ergebnis ausführlicher körperlicher und psychologisch-psychiatrischer Untersuchungen. Liegt diese Diagnose vor, kann - als erster Schritt der Angleichung des Körpers - der Hormonhaushalt der Trans­gender-Person auf den des Identifikations-Geschlechtes umgestellt werden. Durch die Hormon­behandlung ändert sich das körperliche Erscheinungs­bild in Richtung auf das gewünschte Geschlecht, für viele Trans­sexuelle eine grosse Erleichterung. Auch das Gefühls­leben kann sich markant verändern. Mit den neuen Gefühlen umzugehen muss erst gelernt werden. So kann die Zeit der Umstellug auch eine schwierige sein, eine emotionale Achterbahnfahrt. Die Zufuhr der Geschlechts­hormone des Ziel­geschlechtes in Medikamenten­form muss lebenslang fortgesetzt werden.

- Leerzeile - Im Alltagstest (parallel zum Beginn der Hormon­therapie, Dauer zumindest ein Jahr) führt die trans­sexuelle Person ihr gesamtes Leben in ihrem Wunschgeschlecht, um zu erkunden, ob sie den Geschlechtswechsel auch im Rahmen ihres Lebensumfeldes bewätigen kann. War dieser erfolgreich, kann die chirurgische Angleichung des Körpers ins Auge gefasst werden. Viele Transsexuelle ertragen ein Leben mit den falschen Genitalien nicht, oder nur solange sie eine realistische Perspektive haben, diese zu ändern. Andere können sich mit dem privateren Teil ihrer Anatomie so halbwegs arrangieren, brauchen aber eine chirurgische Angleichung der im Alltag sichtbaren körperlichen Geschlechts­merkmale (Entfernung der Brüste bei Mann-zu-Frau-Trans­sexuellen).

- Leerzeile - Seit 2010 kann auch in Österreich der Personen­stand einer Trans­gender-Person auf ihr Identitäts­geschlecht geändert werden, ohne dass (oder bevor) sie sich zur angleichenden Operation durchringt. Nach dieser Änderung ihres juridischen Geschlechts kann sie offiziell einen ersten Vornamen, der dem angestrebten Geschlecht entspricht, annehmen; sie bekommt persönliche Dokumente (Reisepass, Führerschein usw.), die dieses Geschlecht ausweisen, ausgestellt; sie kann nun auch als Person des Ziel­geschlechtes heiraten.

- Leerzeile - Um im Alltag als Angehörige des Geschlechts, dem die trans­sexuelle Person sich zugehörig fühlt, akzeptiert zu werden, können weitere Veränderungen des Erscheinungsbildes nötig, wichtige Schritte in Richtung gelingendes Leben sein: kosmetischen Operationen an Gesicht, Haarwuchs oder Kehlkopf­form; Bartentfernung bei Mann-zu-Frau-Transsexuellen.

- Leerzeile - Männliche und weibliche Sprechstimmen unterscheiden sich nicht nur in der Tonhöhe. Männer reden im allgemeinen mit monotonerer Modulation, Frauen mit deutlich mehr Sprachmelodie. Ein Frau-zu-Mann-Transsexueller muss (nach dem durch die Hormontherapie verursachten Stimmbruch) sein Sprechverhalten in der Regel nicht allzusehr umstellen, um maskulin zu klingen. Viele Mann-zu-Frau-Transsexuelle müssen intensiver umlernen. Auch eine tiefere Stimme kann glaubhaft feminin klingen, wenn in einem Sprechtraining (und durch viel Übung) die weibliche Art zu kommunizieren erlernt wird.

- Leerzeile - Wenn Du selbst ernsthaft eine Geschlechts­angleichung erwägst, ist es sicher gut, mit möglichst vielen Menschen zu reden, die diesen Prozess durchgemacht haben: Du gewinnst ein ausgewogenes und realistisches Bild von den Risiken und Mühen, aber auch von der Hoffnung, die mit dieser medizinischen Radikalmassnahme verbunden sind. - Punkt -

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Umgang mit

Transgender-Personen: Wer zum ersten Mal mit Transgender-Personen zu tun hat, wird sich vielleicht verlegen fühlen. Vielleicht fragst Du Dich, wenn Du mit uns zu tun hast: Was erwartet die Transgender-Person von mir? Normalerweise gar nichts, als dass sie unbehelligt das Leben führen darf, das ihrer inneren Verfassung am besten entspricht. Sie verbindet keine sexuellen Wünsche damit, dass sie Dir gegenüber in einem unerwarteten Geschlecht auftritt. Sie will Dich auch nicht verunsichern oder provozieren.

- Leerzeile - Muss ich wegschauen? Man muss sich nie für andere Menschen schämen. Deine eigene geschlechtliche Identität wird von niemandem in Frage gestellt, und die Transgender-Person steht dazu, dass die ihrige nicht im gewohnten Rahmen liegt. Man kann ruhig darüber reden, wenn man mag, das kann für beide Personen ein sehr schönes und bereicherndes Erlebnis sein. Man kann aber auch einfach zur Tagesordnung übergehen.

- Leerzeile - Ich schäme mich, wenn ich mit Transgenders zusammen gesehen werde. Dazu besteht gar kein Grund! Im Gegenteil, es ist ein Zeichen von Reife und innerer Sicherheit, wenn man mit Menschen verkehren kann, die ganz anders sind als man selbst.

- Leerzeile - Ich halte die Lebensform der Transgenders einfach für falsch. Das ist Dein gutes Recht, und Du kannst es auch aussprechen, wir müssen und werden akzeptieren, dass es da verschiedene Meinungen gibt. Der Mensch besteht nicht nur aus dem Geschlecht, vielleicht gibt es andere Aspekte, in denen wir uns dafür umso besser verstehen können.

- Leerzeile - Muss ich einer Transgender-Person helfen? Man muss gar nichts, aber - oh ja, bitte! Indem Du uns ganz locker und ungezwungen gegenübertrittst und Dich verhältst wie zu jeder anderen Person, sodass wir uns vor Dir nicht verstellen müssen. Wir müssen aber nicht gerettet und bemitleidet werden. Viele Transgenders leben auf ihrem Weg glücklich und zufrieden, und freuen sich, dass sie sein dürfen was sie sind. - Punkt -

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Eltern, Verwandte und Freunde

von Transgender-Personen: Das Coming Out einer Transgender-Person, also die Phase, wenn für die Person und ihre Umgebung offenbar wird, dass eine ungewöhnliche Einstellung zum eigenen Geschlecht nicht nur in der Seele vorhanden ist, sondern auch Raum im Leben haben will, ist für alle nahestehenden Personen eine besonders schwere Zeit. Vielleicht taucht auch bei Dir eine oder andere der folgenden Fragen auf?

- Leerzeile - Ich muss viele Krisen, ungewöhnliche Verhaltensweisen, Ablehnung der Umgebung miterleben, ohne einzusehen, welchen Nutzen der mühevolle Prozess bringt. Der Wunsch nach dem zeitweiligen oder endgültigen Geschlechtswechsel ist für den Verstand nicht nachvollziehbar. Niemand kann ihn erklären, nicht die Betroffenen und auch nicht die Psychologen. Er ist trotzdem da, sitzt tief in der Seele, und ist sehr stark. So wie man auch oft nicht weiss, warum einem bestimmte Menschen, Dinge und Gefühle wichtig sind. Sie sind es einfach. Wenn Transgender-Personen und ihre Umgebung die krisenhafte Übergangs­phase durchgestanden haben, können sie am Ende sehr glücklich und im Einklang mit sich selbst und mit einander leben.

- Leerzeile - Ist das nicht gefährlich? Alle Vorgänge, bei denen starke Emotionen im Spiel sind, sind gefährlich. Eine der grossen Gefahren für Transgenders besteht darin, dass die Beschäftigung mit dem eigenen Geschlecht die Seele so stark überschwemmt, dass sie zu allen anderen Aspekten des Lebens und zu ihrer Umgebung den Bezug verlieren. Die wirksamste Hilfe bietet eine Person, mit der man über alles reden kann (auch wenn sie durchaus anderer Meinung sein kann), und die ruhig und gelassen bleibt, wenn man selbst in Schwierigkeiten ist.

- Leerzeile - Kann ich die Transgender-Person von ihrem Weg abbringen? Voraussichtlich nicht. Bevor eine Person nach aussen ihr Geschlecht in Frage stellt, sind in der Seele schon schwere Kämpfe ausgetragen worden, und das Bedürfnis nach einer Lebensweise als Transgender hat gewonnen. Wenn Du dagegensteuerst, legst Du Dich mit einem wesentlichen Teil ihrer Seele an, und riskierst Vertrauen und Zuneigung. Man kann Menschen nicht lenken, man kann höchstens Türen öffnen. Aber Menschen und Katzen gehen nicht durch jede Tür, die man ihnen aufhält.

- Leerzeile - Was habe ich falsch gemacht? Das ist eine Frage, die sich Eltern oft stellen. Wahrscheinlich nichts. Niemand weiss, warum bestimmte Menschen mit ihrem Geschlecht nicht auskommen. Als Ursache für Trans­sexualität nehmen manche Wissenschafter Hormon­schwankungen vor der Geburt an. Das Elternhaus, die Erziehung und die Umgebung sind, soviel wir heute wissen, nicht verantwortlich, sie können höchstens beeinflussen, welchen Stellenwert der Konflikt im weiteren Leben einnehmen wird. Unsere Kinder gehen oft einen anderen Weg, als wir gewünscht und geplant hätten.

- Leerzeile - Ich schäme mich. Du hast den Mut, zu einer Person zu stehen, die von den meisten Menschen nicht verstanden und von vielen scheel angesehen wird. Eigentlich ein Grund für Dich, stolz zu sein.

- Leerzeile - Ist das Sünde? Darüber kann man stundenlang streiten, es ist eine Frage der eigenen Weltanschauung. Aber ist es nicht weniger wichtig, welchen Weg wir gehen, als wie wir ihn gehen?

- Leerzeile - Und wer denkt an mich? Menschen in der Krise sind von den eigenen Problemen überschwemmt und dadurch mehr oder weniger egozentrisch. So geht es leider auch uns Transgenders in der Über­gangszeit. Es ist wichtig, dass Du jemand hast, bei dem Du Dich selbst aussprechen kannst, gute Freunde oder vielleicht auch professionelle Hilfe. Scheue Dich nicht, auch über die negativen Gefühle zu reden, die Dir die nahestehende Transgender-Person verursacht: Die sind einfach da und sehr verständlich.

- Leerzeile - Transgenders haben ihre Selbsthilfegruppen, Internetseiten und Veranstaltungen. Gibt es sowas auch für mich? Auf Transgender.at gibt es eine eigene Mailingliste für Angehörige von Transgender-Personen. Es werden dort auch immer wieder Treffen für Angehörige und PartnerInnen von Transgenders ausgeschrieben, in denen Du zwanglos andere Menschen in Deiner Situation kennen lernen kannst. Transgender-Personen sind zu diesen Treffen und zur Mailingliste nicht zugelassen, damit Ihr unbefangen über Eure Gefühle und Probleme reden und Eure Erfahrungen austauschen könnt. - Punkt -

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Transgender Steiermark:
http://graz.transgender.at/